geschrieben von Green Petfood Community

Katzenpsychologie: Mehr Harmonie zwischen Mensch & Tier

 

Den Pferdeflüsterer kennen wir wohl alle, aber funktioniert das auch bei Katzen? Unsere Samtpfoten haben alle einen individuellen Charakter, aber was wir manchmal vielleicht als Eigenart abtun, kann tiefliegende Ursachen haben. Warum pinkelt sie auf einmal in die Wohnung oder kratzt an den Möbeln? Oder haut den neuen Mitbewohner? Als ganzheitliche Katzentherapeutin geht Christiane Schimmel den Ursachen auf den Grund und verhilft Tier und Mensch dazu, gemeinsam ein entspanntes und glückliches Leben zu führen. Was den Beruf der Katzenpsychologin ausmacht, mit welchen Methodiken sie für mehr Harmonie im Tierhaushalt sorgt und welche spannenden Fälle sie schon lösen konnte, erzählt Euch die Katzenfreundin in diesem Beitrag.

Christiane-Schimmel

 

Das liebt Katzenfreundin Christiane: Musizieren (Violine), entweder im Duo oder im Streichquartett. Zeit mit meiner Tochter im Wald verbringen. Zeit mit den 6 Katern

Das lieben die Fellfreunde: Training mit Spaß. Spielen und Entspannen im Garten.

Darum lieben sie Green Petfood: Weil es lecker ist und immer frisch.

Häufig, besonders wenn ich neu irgendwo bin, kommt sie, die Frage: "Und was machst Du beruflich?" - "Ich bin Katzenpsychologin." Was folgt ist entweder Schweigen, die verwunderte Frage, was das eigentlich ist, oder ich bekomme alle, wirklich alle Katzengeschichten zu hören, die ihm oder ihr je zu Ohren gekommen sind.

Die Geschichte einer Berufung oder doch einfach ein Beruf wie jeder andere? Ich kann gleich vorwegnehmen, dass all meine Kolleg:innen, die ich kenne, aus demselben Grund einen Tierberuf ergriffen haben wie ich. Es gab Probleme bei der eigenen Katze. Bei mir war der Anfang eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin. Meine Katze Sissy wurde mit 14 Jahren sehr krank und ich stand immer so ein wenig hilflos daneben. Das wollte ich nie wieder.

Katzen_Training

Bereits während der Ausbildung begann ich, mich weiter zu spezialisieren, unter anderem im Bereich Katzenpsychologie. Das Training mit Katzen war dann noch das i-Tüpfelchen, was mir gefehlt hatte, um ganzheitlich das Wesen der Katze zu verstehen und mit ihr zu arbeiten. An der Stelle kann ich gleich ergänzen, dass das Lernen nie aufhört. Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse, andere Vorgehensweisen, die sich als besser erweisen, und weitere Methoden, die noch stärker auf die Katze abgestimmt sind.

Lange hat sich der Glaube gehalten: "Nun ja, es ist eine Katze. Da kann man eben nichts machen." Und mehr daneben könnte man nicht liegen! In der Ausbildung zur Katzenpsychologin lernt man zunächst viel über das Wesen der Katze, ihren Ursprung, die Genetik und Epigenetik, wie man sie lesen kann und was wie zu deuten ist. Nicht zuletzt natürlich, welche Lösungswege es gibt und am wichtigsten, welche Rolle der Mensch dabei spielt. Denn als wir Menschen begonnen haben, die Katzen zu domestizieren, haben wir auch die Verantwortung mit übernommen, uns um sie zu kümmern.

Früher Wüstentiere, die sich alleine durchgeschlagen haben, sind sie durch uns gezwungen, mit anderen Artgenossen klarzukommen. Oft haben sie in unseren Haushalten keine Chance, dem Stress auszuweichen. Und die wirklich häufigste Problematik: sie langweilen sich schrecklich.

So entstand der Berufszweig der Katzenpsycholog:innen. Es ist wichtig, das Wesen der Katze, so gut es uns Menschen gelingt, zu kennen, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und die Menschen möglichst sanft dorthin zu begleiten, wo sich Mensch und Katze zusammen wohl fühlen.

Oft ergeben sich die Probleme aus körperlichen Problemen und dem Nicht-Erkennen ebendieser. Ganz weit oben steht aber auch die Langeweile, welche aus einigen Vorurteilen über Katzen entspringt: "Katzen sind Einzelgänger, Katzen beschäftigen sich mit sich selbst, Katzen brauchen uns Menschen nicht und Katzen sind nur glücklich als Freigänger."

Zuallererst: Katzen sind Individuen. Was auf die eine Katze zutrifft, kann für die andere Katze völlig unzutreffend sein.
Manche Dinge sind natürlich ähnlich, aber Ausnahmen gibt es immer. Mit welchen Problemen kommen Menschen nun zu mir? Das wohl häufigste Problem ist, wenn die Katze das Katzenklo nicht (mehr) benutzt. Dabei ist erstmal noch unklar, ob es sich um ein Unsauberkeitsproblem oder Markierverhalten handelt. Das sieht durchaus unterschiedlich aus und es gibt verschiedene Lösungsansätze dafür.

Überblick häufiger Probleme

  • Unsauberkeit/Harnmarkieren
  • Aggression gegen Katze oder Menschen
  • Kratzen an Möbeln
  • Streitereien und Kämpfe innerhalb einer Katzengruppe
  • Ängstliche Katzen
  • Zusammenführung von Katzen
  • Umzug mit Katzen
  • Katzen und Kinder
  • Katzen und Hunde
  • Nächtliches Schreien bei Katzen
  • Katzenverhalten – ist das so normal?
  • Wie beschäftige ich meine Katzen?
  • Wie spiele ich richtig?
  • Alte Katzen
  • Clickertraining
  • Medical Training-entspannt beim Tierarzt

Gehen wir mal davon, dass es sich um ein Unsauberkeitsproblem handelt. Ich bekomme also eine Anfrage, wie geht es weiter? Ich durfte feststellen, dass Hausbesuche nicht immer die richtige Wahl sind, und habe mich daher zu einem Arbeiten ausschließlich per Telefon bzw. online entschieden. Denn so kann ich die Katze in ihrem natürlichen Revier beobachten, ohne, dass sie sich von einem Neueindringling gestört fühlt. Wenn es etwas Relevantes zum Zeigen gibt, dann erhalte ich Videos. Ein Wohnungsplan wird fast immer von mir angefordert bei einer begleitenden Beratung. Auf diesem sehe ich dann, welche katzenrelevanten Plätze es gibt, wie das Fressen, Wasser und die Klos. Auf Fotos oder einem Videorundgang durch die Wohnung schaue ich mir dann die mir wichtigen Aspekte an: Was steht neben dem Klo, wie eng sind die Durchgänge, gibt es die dritte Dimension für die Katze oder ist es eine große Wohnung mit viel freien Flächen? Diese sind nämlich häufig ein Problem für die Katzen. Die dritte Dimension ist oft einfacher herzustellen als viele befürchten: Regalbretter an der Wand befestigt und dadurch die Möglichkeit, einmal im Zimmer herumzulaufen, ohne den Boden zu berühren, kann schon so viel verändern in der Katzenwelt.

Katze_Laptop

Zurück zu der unsauberen Katze. Bei einem vereinbarten Termin erfahre ich die Vorgeschichte der Katze, welche Untersuchungen vorgenommen wurden und die Ergebnisse, was bisher alles unternommen wurde und natürlich, wann und wo die Katze hinpinkelt. Im Falle einer Unsauberkeit ist es oft schon ausreichend, das Katzenklo absolut auf die Bedürfnisse der jeweiligen Katze abzustimmen. Ist es groß genug? Steht es am richtigen Ort? Ist das Streu auch wirklich das Bevorzugte genau dieser Katze? Gibt es andere Katzen, die beim Toilettengang stören? An diesem Punkt kommen wir dann häufig zu dem dahinter liegenden Problem. Sehr oft ist es eine Mischung aus mehreren Punkten, welche das Fass dann letztlich zum Überlaufen gebracht hat. Katzen halten oft sehr viel und das sehr lange aus. Und dann kommt diese eine Kleinigkeit, die uns selbst möglicherweise gar nicht mehr so auffällt, und dann wird die Toilette gemieden.

Generelles Vorgehen:

  • Analyse durch Videos, Wohnungspläne und Anamnese
  • Je nach Problem: Wohnungsoptimierung, Umgangsänderung, Beschäftigung, Training, weitere Behandlungsvorschläge
  • Am wichtigsten: Erkennen der Bedürfnisse und diese möglichst gut umsetzen

Es gibt mehrere Fälle, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Hier berichte ich einmal über zwei von ihnen.

Schwierige Kind-Katze-Beziehung aufgelöst

Da meine Tochter damals selbst in einem ähnlichen Alter gewesen ist, ist mir ein Fall besonders nahe gegangen. Ein Kind von etwa 2,5 Jahren hatte so große Angst vor der Katze, dass sie nicht mehr den Boden betreten wollte, sondern von den Eltern herumgetragen wurde. Dementsprechend aufgelöst waren die Eltern. Sie wollten unbedingt versuchen, die Beziehung zwischen ihrer Katze und ihrem Kind wieder zu flicken. Was war vorgefallen? Sie sind gemeinsam mit den Beiden im Urlaub bei den Großeltern gewesen und dementsprechend aufgeregt war die Katze. Aus den Erzählungen und den Fotos konnte ich mir dann ein Bild vom konkreten Vorfall machen: Die Tochter hatte unwissentlich die Katze in eine ausweglose Situation gebracht. Die Katze konnte aus einer Ecke nicht raus, die Tochter selbstverständlich noch nicht erkennen, dass die Katze gerade ihre Ruhe haben mag. Und so passierte es, dass die Katze aus der Not heraus auf das Kind zusprang, die Eltern, welche rasch zur Stelle waren und eingriffen, bekamen ein paar Kratzer und Bisse ab und schon hing der Haussegen schief. Aber hier schon mal die gute Nachricht: Wir konnten diese Situation wieder auflösen. Die erste Maßnahme: alles im Haus so gestalten, dass die Katze zu jeder Zeit einen Ausweg hat und sich möglichst in der dritten Ebene aufhalten kann. Und dann begannen wir zu trainieren: Zuerst die Mutter, welche die beste Beziehung zu der Katze zeigte, und nach und nach konnte das Kind mit eingebunden werden. Das Kind war am Ende dann wieder so positiv für die Katze verknüpft, dass ich Fotos bekam, wie Katze und Kind zusammen Spaß haben. Dieser Fall hat mich persönlich sehr berührt. Alle beteiligten Menschen waren sehr bemüht, eine Lösung zu finden und es gab keine unnötigen Schuldzuweisungen, welche solch eine Problematik oft verstärkt. Happy End!

Zusammenführung zweier Katzen

Ein weiterer Fall war eine Zusammenführung bzw. der erneute Versuch, da die ursprüngliche Zusammenführung misslang. Es handelte sich um ein Geschwisterpärchen, dem ein kleiner Kater zugesellt werden sollte. Dieser Kater hatte einige körperliche Probleme und war aber dennoch ein wahrer Wirbelwind. Und so sahen auch die ersten Begegnungen aus. Als die Halterin dann eine der Geschwisterkatzen zitternd unter dem Bett fand und vor dem Bett Haarbüschel, war für sie klar, so konnte das nicht weitergehen. Und dann kam ich hinzu. Dieser Fall hat sich über einige Wochen gezogen, aber die Geduld hat sich ausgezahlt. Zuerst wurden die Katzen erstmal wieder getrennt, sodass sich jede Katze für sich erholen konnte und sich wieder wohl fühlte. Gleichzeitig begann sie mit dem Training und viel Beschäftigung und Spaß für die Katzen. Dann starteten wir kurze Sequenzen, in denen sich die Katzen zwar sahen, aber noch nicht zueinander konnten. Das konnten wir dann mit Ablenkung aller Katzen dann immer weiter steigern. Es gab natürlich auch Rückschläge, aber am Ende bekam ich dann Fotos aller drei Katzen, in der Mitte die Halterin und dem Dank, dass nun alle glücklich zusammenleben! Da geht einem einfach das Herz auf!

Ich plädiere immer zur Prävention: Mach Deiner Katze das Zuhause nicht gerade eben so katzenfreundlich, sondern sorge dafür, dass Deine Katze sich rundum wohl fühlt; dann haut sie auch so schnell nichts aus der Bahn. Was bedeutet das? Lass Deine Katze nicht nebenherlaufen. Hol Dir nicht einfach mehrere Katzen und erwarte, dass sie sich schon miteinander beschäftigen werden. Informiere Dich gut und überlege reiflich, was Deine Katzen sich wünschen.

Katzen lieben das Training! Es gehört für mich ebenso dazu, wie die Art, wie ich füttere und das Spiel. Nicht nur das Körperliche, sondern auch das seelische Gleichgewicht ist wichtig für Deine Katzen. Als Katzenpsychologin kann ich Dir erklären, wie die Bedürfnisse Deiner Katze aussehen und wie Du sie glücklich machen kannst. Meist werde ich erst geholt, wenn es bereits Probleme gibt: angefangen bei Unsauberkeit und Harnmarkieren, über Streitereien zwischen den Katzen, wenn Deine Katze plötzlich ihr Verhalten grundlegend ändert und dieses uns Menschen stört, wie Kratzen an Möbeln, häufiges Schreien bis hin zu heftigen Attacken uns Menschen gegenüber. Schaue Dich auf jeden Fall auf meiner Webseite um, wo ich Dir viele kostenlose Tipps für ein harmonisches Zusammenleben gebe, Du mich aber auf jederzeit hinsichtlich einer Beratung kontaktieren kannst.

Deine Katze braucht Dich!

 

Im Laufe meiner Zeit als Inhaberin eines Katzenhotels durfte ich viele Katzen kennenlernen und erkennen, wie einzigartig sie alle sind. Was sie alle gemeinsam hatten? Fast allen war tendenziell eher langweilig. Katzen brauchen uns Menschen. So wie sie für uns da sind, können und sollten wir auch für sie da sein!

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