geschrieben von Yvonne Langer

Plastikfreies Kinderzimmer – Nachhaltig leben mit Nachwuchs

 

„Tschuldigung. Aber wir haben leider euren Planeten kaputt gemacht.“ Nichts, was wir unseren Kindern unbedingt gestehen wollen. Dabei sind wir, leider, auf dem besten Weg dorthin. Wer Kinder hat, ist sich der Verantwortung, die wir den nachfolgenden Generationen gegenüber tragen, oft besonders bewusst. Dennoch ist es im anspruchsvollen Alltag mit dem Nachwuchs gar nicht so leicht, nachhaltig zu leben. Ein plastikfreies Kinderzimmer wäre beispielsweise ein Schritt in diese Richtung. Doch ist das überhaupt möglich? Und wenn ja, wie? Von Windel bis Spielzeug: Die folgenden Tipps und Tricks sollen Dir helfen, das Projekt „plastikfreies Kinderzimmer“ in die Tat umzusetzen. Denn mit diesem Schritt können wir einen Teil dazu beitragen, unseren Kindern ein nachhaltiges Vorbild zu sein. Und um 5 vor 12 die Rettung unseres Planeten nicht allein den nachfolgenden Generationen überlassen.

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Spielzeug wird aus unterschiedlichen Kunststoffen hergestellt. Die sind nicht nur schädlich für die Umwelt: Viele davon sind mit Schadstoffen belastet und können auch Kinder krank machen. Besonders fies sind Weichmacher, die das Hormonsystem, die Leber und die Nieren schädigen können. Weichmacher finden sich beispielsweise in Puppen, Bällen oder aufblasbarem Wasserspielzeug – wenn Plastikspielzeug weich und elastisch ist, solltest Du wachsam sein. Zwar gibt es bei Kinderspielzeug Grenzwerte für die schädlichen Weichmacher, allerdings werden die regelmäßig überschritten, warnt die Verbraucherzentrale.

TIPP: Vorsicht Weichmacher!

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Im Zweifelsfall bist Du mit plastikfreiem Spielzeug aus nachhaltigen Materialien auf der sicheren Seite. Denke auch daran, das Umfeld der Kinder in Deine Pläne für ein plastikfreies Kinderzimmer einzuweihen. Denn der nächste Geburtstag – und mit ihm die unumgängliche Geschenkeflut – kommt bestimmt!

TIPP: Freunde und Verwandte aufmerksam machen

So gern die Bekannt- und Verwandtschaft auch quietschbunte, blinkende und lärmende Plastikspielzeuge verschenkt: Mach sie freundlich darauf aufmerksam, dass nachhaltige Geschenke in Deiner Familie angesagter sind. Auch aus umweltfreundlichen Materialien wird wunderschönes Spielzeug gefertigt. Noch bessere Idee: Zeit verschenken! Mit Tante Trude in den Zoo gehen ist doch eh viel spannender als der drölfhunderste Legostein, oder nicht?

Nachhaltige Mode für Kinder ist zwar teurer, zahlt sich aber aus. Immerhin leisten wir damit einen Beitrag dazu, dass wir unserem Nachwuchs keine zerstörte Umwelt hinterlassen. Mode aus GOTs-zertifizierter Baumwolle, aus Wolle und anderen Naturmaterialien ist plastikfrei und damit eine gute Alternative zu Fast-Fashion. Letztere ist wegen der unzumutbaren Arbeitsbedingungen der Produzenten ohnehin kritisch zu sehen – und selten nachhaltig. Deswegen lautet das Motto für ein plastikfreies Kinderzimmer auch im Punkt Klamotten: Weniger ist mehr. Textilien lassen sich hervorragend auch Second Hand kaufen: In Online-Portalen, auf Kinderflohmärkten und in Second Hand-Geschäften findest Du eine große Auswahl an gut erhaltener Kinderkleidung zum kleinen Preis. Auch das Weitergeben getragener Kleidung im Bekanntenkreis hat sich bewährt.
Bei Möbeln und Teppichen für das Kinderzimmer setzt Du am besten auf Naturmaterialien, welche für die Gesundheit des Nachwuchses eindeutig positiver zu bewerten sind. Ein mitwachsendes Babybett oder ein Wickeltisch, der im Laufe der Jahre zur Kommode umfunktioniert wird, sorgt dafür, dass Du weniger neu kaufen musst. Und damit einen Beitrag für ein nachhaltiges Leben mit Kind leistest.

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12 Stunden trockener Windel-Popo? Danke, Plastik! Das Granulat in der Windel,
welches die Flüssigkeit aufsaugt, nennt sich Superabsorber. Funktioniert in der Tat super, ist aber bei genauem Hinsehen: Erdöl. 5 Gramm Erdöl enthält eine Windel im Schnitt. Nichts, was man seinem Baby am Körper wünscht. Doch das ist nur die Spitze des Eis-, besser gesagt, Windelberges: Unfassbare 400.000 Tonnen Wegwerfwindeln müssen pro Jahr in Deutschland entsorgt werden. Bedenkt man, dass eine Windel etwa 450 Jahre braucht, bis sie verrottet ist, werden unsere Kinder, deren Kinder und dann auch noch deren..., na, Du weißt schon, noch lange etwas von den Windeln haben. Sie sammeln sich in der Umwelt, in den Meeren und müllen den Planeten mit einer großen Plastik-Windel-Flut ordentlich zu. Das ist, so wie die volle Windel, ganz schön besch...eiden. Du siehst, das Problem mit den Wegwerfwindeln stinkt zum Himmel. Doch welche Alternativen gibt es? Hier einige Vorschläge für plastikfreie Windel Alternativen:

  • Öko-Windeln: Sind etwas umweltverträglicher als herkömmliche Windeln. Das Material ist biologisch abbaubar, der verwendete Zellstoff kommt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Allerdings erhalten auch Öko-Windeln meist Superabsorber und dürfen nicht in der Bio-Tonne entsorgt werden. Ohnehin gehören Windeln nicht auf den Kompost: Menschliche Ausscheidungen kommen hierzulande in den Restmüll, so sie denn nicht in der Toilette verschwinden.
  • Stoffwindeln: Sie wandern nach dem Gebrauch in die Waschmaschine und können dann wiederverwendet werden. Mittlerweile gibt es clevere Windelsysteme, die das Verwenden von Stoffwindeln kinderleicht machen. Und Plastikmüll fällt dabei gar keiner an!
  • Windelfrei: Die Windelfrei-Methode erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Im Internet  findest Du zahlreiche Tipps und Tricks, wie Du Dein Baby daran gewöhnst, Bescheid zu geben, wenn es mal muss. Und Ihr schon bald, zumindest in Sachen Windeln, komplett plastikfrei unterwegs sein könnt!
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Eine Studie sorgt derzeit für Aufsehen: Demnach nehmen mit der Trinkflasche gefütterte Babys mehr als eine Million Partikel Mikroplastik zu sich – täglich! Je höher der Erhitzungsgrad der Flüssigkeit, desto mehr Mikroplastik wird dadurch freigesetzt, so das alarmierende Ergebnis der Studie. Betroffen sind fast alle Flaschen der großen Hersteller. Welche Auswirkungen das auf die Gesundheit der Kinder hat, ist bisher noch nicht klar. Sicher ist: Ein großer Teil der Partikel wird vom Körper ausgeschieden. Und landet damit in der Umwelt und in unseren Gewässern, wo Mikroplastik enorme Schäden anrichtet.

Die Lösung sind plastikfreie Trinkflaschen für Kinder aus Edelstahl oder Glas. Es kann auch helfen, die Milch fürs Baby zunächst in einem plastikfreien Behälter zu erwärmen und sie erst dann in die Trinkflasche umzufüllen, da dadurch weniger Mikroplastik freigesetzt wird. Derzeit arbeitet die Industrie an einer Lösung, um die Gefahr durch Trinkflaschen aus Plastik für Kinder zu verringern.

Auch unter den Kosmetikartikeln für Kinder gibt es solche, auf die Du getrost verzichten solltest. In einigen Babyshampoos  verstecken sich synthetische Polymere. Und das ist nichts anderes als schädliches Mikroplastik! Außerdem enthalten einige Produkte das krebserregende Formaldehyd oder PEG/PEG-Derivate, welche die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Wer auf Naturprodukte zurückgreift, ist hier auf der sicheren Seite. Noch besser: Wasser. Ohne Witz: In den ersten Monaten reicht Wasser völlig aus, wenn Du Dein Baby baden oder waschen möchtest. Manche Eltern nutzen sogar über Jahre kein Shampoo, wenn es um die Haarwäsche ihres Kindes geht. Die „No-Poo“-Bewegung  setzt auf die natürliche Regulation der Drüsen in der Kopfhaut. Und das scheint zu klappen: Einige berichten, sie hätten ihren Kindern in den ersten vier oder sogar fünf Jahren noch nie mit Shampoo die Haare gewaschen. Haar und Kopfhaut ihrer Kinder erfreuten sich bester Gesundheit und sähen auch nie „ungewaschen“ aus.

Zusammengefasst lässt sich also sagen: Auf viele Produkte, die uns als unersetzlich angepriesen werden oder bei denen die Werbung uns glauben machen will, dass unsere Kinder mit ihnen glücklicher, sauberer oder besser versorgt sind, kannst Du getrost verzichten. „Weniger ist mehr“ lautet das Motto für ein plastikfreies Leben mit Kind. Und ein wachsames Auge in Bezug auf die Versprechungen der Industrie, die vorgibt, nur das Beste fürs Kind zu wollen und mit der Gutgläubigkeit der Eltern ihre Umsätze – und den Müllberg – fleißig wachsen lässt.

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