geschrieben von Yvonne Langer

Miau ist nicht gleich Miau: Katzensprache lernen und verstehen

Kennst Du das? Wenn Du glaubst, dass Du endlich verstanden hast, was Deine Katze von Dir will, überrascht sie Dich im nächsten Moment mit einem völlig unerwarteten Verhalten. Es ist zum Mäusemelken! Katzen sprechen ihre eigene Sprache – sowohl mit ihrem Körper als auch mit ihren verschiedenen Lauten. Du willst endlich lernen, Deine Katze und ihre Gefühlsäußerungen richtig zu verstehen? Dann zeigen wir Dir jetzt, worauf Du achten musst!

Den Schwanz einer Katze könnte man auch als das „Schwarze Brett der Katzensprache“ bezeichnen. Denn anhand der Schwanzstellung lassen sich viele Emotionen, Absichten und Bedürfnisse erkennen. Du solltest die Schwanzstellung jedoch nie ganz allein betrachten. Die Schwanzrichtung zeigt Dir zwar nicht an, in welche Richtung der Wind weht, aber du kannst die Stimmung Deiner Katze ein wenig daran ableiten. Bevor du nun aber wie ein Detektiv nur Augen für Kittys Schweif hast, solltest du auch die anderen Körpersprachmerkmale im Auge behalten. Folgende Emotionen kann Deine Katze über ihren Schwanz ausdrücken:
  • Nervosität und Ungeduld (Schwanz zuckt gelegentlich oder in Intervallen)
  • Wohlgefühl und Freude ( Schwanz ist oben und wedelt gelegentlich ruhig hin und her)
  • Aggression (Schwanz und hintere Körperhälfte werden steif in die Luft gehalten, während die vordere Körperhälfte auf dem Boden liegt)
  • Schutzbedürfnis bzw. starke Anspannung (Fell steht ab und ist aufgeplustert)
  • Aufmerksamkeit (Schwanzwedeln)
  • Schock (Schwanz sinkt Richtung Boden)
  • Schreck (Schwanz ist in flachem Winkel vom Körper abgeneigt)
  • Angst und Unsicherheit (Schwanz klemmt zwischen Hinterläufen)
  • Spiel- bzw. Jagdlust (Schwanz wedelt von links nach rechts)
  • Schmerz und Unwohlsein (Katze schlägt Schwanz unruhig auf den Boden)

Sind die Öhrchen oben, wird sie bald toben! Aufgerichtete Ohren und weit geöffnete Augen sind deutliche Zeichen für Aufmerksamkeit und Spiellust. 
Hat Deine Katze ein Jagdobjekt ins Visier genommen, kann es nicht mehr lange dauern, bis sie es sich schnappt. Attacke! Auch kurz vor der Mahlzeit sind Augen und Ohren Deiner Katze weit geöffnet – aus der Katzensprache übersetzt bedeutet das: „Ich habe Hunger!“ Eine vollkommen gechillte Katze hingegen trägt ihre Ohren nach vorne aufgestellt und blinzelt leicht. Man könnte denken, dass Sie etwas im Auge hat, tatsächlich ist sie aber nur total entspannt und schläfrig. Die meisten Miezen haben ihre Augen halb geschlossen, wenn sie relaxed sind. 

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Dein Schmusetiger wird oft ganz plötzlich zur Kampfkatze? Anspannung, Angst oder Aggression kann man oftmals schon deutlich vor dem „Angriff“ erkennen. Denn dann liegen die Ohren Deiner Katze eng am Kopf oder sind zur Seite gedreht. Außerdem sind ihre Augen extrem weit aufgerissen und sie nimmt jede Bewegung ihres Gegenübers wahr. Eine typisch deeskalierende Geste ist auch der Katzenbuckel – eine klassische Abwehrhaltung. 
Keep the distance: Der stark gewölbte Rücken und das aufgeplusterte Fell signalisieren, dass Deine Katze Abstand will. Wer die Sprache seiner Katze versteht, sollte ihr jetzt lieber ihren Raum geben. Und zum Wohle Deiner Haut solltest du das auch wirklich tun. Denn Katzenkratzer können ganz schön wehtun. Memo an Dich: Das Funkeln in den Augen Deiner Miez muss nicht bedeuten, dass sie in Schmuse-Stimmung ist.

Es gibt Katzen, die sprechen mit ihren Besitzern. Natürlich nicht wortwörtlich! Aber während die eine Miez lediglich Schnurrgeräusche zur abendlichen Streichelroutine von sich gibt, miauen andere Fellnasen in einer Tour. Was für Quasselstrippen! Wenn sie Hunger haben, an die frische Luft möchten, Aufmerksamkeit wollen – miau, miau, miau! Das typische „laute Miauen“ kann in solchen Momenten fast immer als Aufforderung verstanden werden. Aber nicht jeder Laut hat die gleiche Bedeutung und ist einer bestimmten Stimmung zugeordnet. Die Katzenlaute sollten immer in Hinblick auf die körperliche Katzensprache gedeutet werden. Denn unsere Fellnasen können sich zu wahren Opernsängern entpuppen. Von quengelig über piepsig bis tief brummend – einige Katzen sind wirklich talentierte Musiker. Im Allgemeinen unterscheidet man ihre Laute jedoch zwischen Miauen, Jammern, Fauchen, Knurren und Schnurren. Je nach Lautstärke, Situation, Dauer und Körpersprache äußert Deine Katze somit Anspannung oder Wohlgefühl. 

Purr me a river! Schnurren ist in fast allen Fällen ein deutlicher Ausdruck von Geborgenheit, Sympathie, Vertrauen, Entspanntheit und Liebe. Fauchen hingegen kommuniziert ganz klar Unwohlsein, Unsicherheit, Abwehr und Distanz durch Aggressivität.

Was wünscht sich ein jeder Katzenbesitzer? Dass seine Miez happy ist. Aber woran erkennt man denn, dass eine Katze sich wohlfühlt? Schleicht Deine Fellnase liebevoll um Deine Beine und schnurrt und miaut in hellen Tönen, gibt es für sie in diesem Moment nichts Schöneres, als gestreichelt zu werden. Wie sagt man so schön: „Glück verdoppelt sich, wenn man es teilt!“ Das macht auch Deine Miez, wenn sie dich umgarnt. Wenn Du sie bereits streichelst und sie zusätzlich ihren Kopf in Deine Hand drückt oder den Rücken bei Berührung genüsslich wölbt, dann solltest Du alle anstehenden Termine verschieben: Denn Deine Miez liebt ihre Streicheleinheiten und genießt die gemeinsame Zeit. Es gibt jedoch noch ein paar weitere Anzeichen dafür, dass Deine Katze glücklich ist:
  • Sie liebt ihre Spielzeuge und spielt gern und konzentriert mit ihnen.
  • Sie schmust gern und schnurrt dabei laut.
  • Sie reibt ihre Nase an Dir.
  • Sie „spricht“ mit Dir (häufiges und lautes Miauen).
  • Sie wälzt und rekelt sich auf ihrem Kratzbaum oder im Garten.
  • Wie ein Wirbelwind saust sie herum, wenn sie in Spiellaune ist.
  • Sie frisst mit Genuss.
  • Sie kommt schnell zur Ruhe.
  • Sie beobachtet gern und gründlich ihre Umwelt.

Als Katzensprache-Lehrling fragst Du Dich sicher: „Wann ist meine Miez im Jagdfieber und wann will sie einfach nur spielen?“ Jagen und Spielen auseinanderzuhalten ist nicht ganz so einfach, da sie sich körpersprachlich sehr ähneln. Hier ist dein Adlerauge gefragt: Denn der markante Unterschied ist die Strenge und Ernsthaftigkeit. Beim Jagen lässt eine Katze selten von ihrer Beute ab – sie darf ja nicht entkommen! Dein Mini-Tiger pirscht sich an ihre Beute heran und attackiert diese gezielt. Zwar „spielt“ sie mit einer Maus oder einem Vogel, bis diese erlegt sind, doch dabei geht sie um einiges ernster und „grober“ vor.

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Same same but different

Im Spiel nehmen Katzen mehr Rücksicht auf ihr Spielzeug oder ihr Gegenüber. Sie lassen hin und wieder von ihrer „Spielbeute“ ab, wölben ähnlich wie bei der Jagd ihren Rücken und rennen auch gelegentlich etwas weiter weg. Den Angriff beim Spiel ist theatralischer und lockerer. Manchmal tänzelt sie um ihr Spielzeug umher. Manchmal plumpst sie einfach auf ihre Fake-Beute. Sie tippelt, pirscht sich ebenfalls an ihr Spielzeug heran und attackiert es dann mit voller Begeisterung.

Katzen sprechen zwar eine andere Sprache als wir, dennoch handelt es sich dabei um keinen Geheimcode, den niemand entschlüsseln kann. Wer die Katzensprache lernen und verstehen will, darf sich in erster Linie in die Position des Beobachters begeben. Mit der Zeit lernst Du Deine Miez immer besser kennen und merkst relativ schnell, wie sie in bestimmten Situationen bzw. auf Deine Handlungen reagiert. Achte auf die Körpersprache Deiner Katze. Schwanz, Ohren, Augen und Rücken, aber auch Laute sowie ihre Bewegungen im Raum sagen viel über die Empfindungen Deines Stubentigers aus. Mit ein wenig Geduld, Empathie und Lernbereitschaft wirst auch Du die Katzensprache bald perfekt verstehen können.