geschrieben von Yvonne Langer

Tagebuch der kleinen Schelme

 

Rebekka liebt ihre beiden Samtpfoten Cookie & Cream wirklich sehr - obwohl diese es manchmal faustdick hinter den Ohren haben! In ihrer kleinen Kolumne berichtet die Katzenmama regelmäßig, was ihre beiden Flauschpopos mal wieder ausgeheckt haben.

 

Katzen gegen Staubsauger. Es scheint ein reger, unerschütterter Kampf zu sein. Aber es ist nun mal das Leidwesen der Menschen, die Haare ihrer Samtpfoten zu entfernen. Bei zwei Katzen ist das unvermeidbar. Und wie ginge das besser als mit dem Erzfeind, dem Staubsauger?

Vor zwei Wochen ist also unser Staubsauger kaputtgegangen. Wir fanden ihn eines Morgens vom Treppenhaus aus abgestürzt im Keller liegend. In Einzelteile zerlegt. Keine Chance auf eine Reparatur. Ich habe sehr stark Cookie und Cream im Verdacht. Ihr Alibi ist zur Tatzeit um schätzungsweise fünf Uhr morgens nämlich ziemlich schwach. Da haben wir also den Verwundeten.

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Ein neuer Staubsauger muss her, ganz klar! Normalerweise wären wir einfach in den Elektromarkt gegangen, um einen auszusuchen. Aber wegen der Corona-Pandemie blieben wir Zuhause und bestellten einen über Amazon. Einen Neuen auszusuchen erwies sich aber als gar nicht so einfach. Es gibt so viele Dinge, auf die man achten muss. Saugkraft, Größe, Gewicht. Ich kam mir vor wie bei einer Singlebörse, so viele Angaben musste man machen.

Nach zweieinhalb Wochen kam er dann auch endlich an. Das war dringend notwendig, wir versanken fast in Katzenhaaren. Geliefert wurde der Staubsauger in einem runden Karton. Das war ziemlich merkwürdig, denn ich hatte zuvor noch nie einen runden Staubsauger gesehen. Aber man soll sich von der Verpackung ja nicht täuschen lassen. Im Inneren lag der Staubsauger und tatsächlich sah der ganz normal aus.

Als hätten sie es geahnt, kamen Cookie und Cream bei der Lieferung sofort angerannt. Erst, um mit dem Karton zu spielen, dann um das neue Ding genauer unter die Lupe zu nehmen. In der Beschreibung hatte gestanden, dass der Staubsauger besonders katzenfreundlich sei. Was auch immer das heißen mochte, aber es klang auf alle Fälle nicht verkehrt.

Was dann geschah, lässt sich schwer in Worte fassen

Froh, dass jetzt endlich die Fellknäuel vom Teppich verschwinden würden, nahm ich also den Staubsauger und schaltete ihn an. Was dann geschah, lässt sich schwer in Worte fassen. Nur so viel: Die Explosion eines Atomkraftwerkes wäre sicher Musik in meinen Ohren gewesen. Selbst ich bekam einen Schreck, als der Staubsauger mit dröhnendem Lärm loslegte. Bitte fragt mich nicht, was daran katzenfreundlich sein sollte. Wahrscheinlich war er für Katzenhasser konstruiert worden, die Störenfriede vertreiben wollten.

Cookie rannte sofort ans andere Ende des Wohnzimmers und versteckte sich mit eingezogenem Kopf unter dem Sofa. Den Staubsauger immer im Visier. Cream, ein unerschrockener (Stoff-)Mäusejäger ging mit angelegten Ohren auf vollen Angriff und versuchte doch tatsächlich, ein Loch in die Außenverkleidung zu beißen. Als das nicht gelang, ging er auf den Täter (mich!) los. Schicht im Schacht war, als ich versehentlich seine weiße Lieblingsmaus einsaugte. Man sah sie durch das durchsichtige Plastikrohr hinauf in den Magen des Staubsaugers verschwinden.

Cream wurde rasend wütend und hackte mit seinen Krallen auf dem armen Staubsauger herum. Cookie half ihm tatkräftig. Wenn es um Mäuse geht verstehen die beiden keinen Spaß. Ich schaltete ihn also aus, leerte ihn und säuberte die jetzt mausgraue Maus und hoffte, dass das Klingeln in meinen Ohren bald nachließ. Um ehrlich zu sein, war ich selbst froh, nicht weiter putzen zu müssen. Natürlich nur aus Rücksicht auf die Katzen, versteht sich.

Am nächsten Morgen war der Staubsauger verschwunden. Unauffindbar. Es dauerte einen halben Tag, bis ich ihn entdeckte: Eingebuddelt im Katzenklo. Ertrunken im Streu. Jede Rettung kam zu spät. Keine meiner Wiederbelebungsversuche griffen. Ich habe wieder Cookie und Cream im Verdacht. Die beiden wirkten nämlich den ganzen Tag ziemlich selbstzufrieden und he, hat Cream Cookie da gerade ein High Five gegeben?

Vor ein paar Wochen hatte mein Bruder Geburtstag. Er ist totaler Star Wars-Fan und hat sich eine Plüschfigur, einen Wookie, gewünscht. Für alle Nicht-Star-Wars-Kenner: Ein Wookie ist ein braunhaariges Wesen, das eigentlich nur mit Lauten wie 'Wrrrr' oder auch mal 'Wraaaa' kommuniziert. Eigentlich ganz süß, wenn man von dem Blaster und dem Patronengürtel absieht. Am Festtag stapelten meine Eltern und ich die Geschenke auf dem Tisch. Cookie und Cream hatten natürlich pure Freude daran, mit Luftschlangen herumzutollen oder sich in Geschenkpapierhaufen zu verstecken. Mein Bruder packte dann endlich mein Geschenk aus. Es hatte eine rote Schleife, die von Cream aber sofort in Beschlag genommen wurde. Na, dann eben nicht. Mein Bruder freute sich riesig, als er den Plüschwookie auspackte. Wie sich rausstellte, hatte ich da aber ein tolles Geschenk für gleich drei Familienmitglieder gefunden. Cookie und Cream waren von dem haarigen Etwas nämlich genauso begeistert wie das Geburtstagskind.


Der Wookie ist knapp 25 Zentimeter groß. Er hat flauschiges Fell, aber das beste ist das Sprachmodul in seinem Inneren. Wenn man auf seinen Bauch drückt, stößt er eines seiner Brüllgeräusche aus. Der Wookie wohnt bei meinem Bruder im Bett. Cookie und Cream legen sich da auch ab und zu rein und als der Neuling einzog, wurde das Bett natürlich nochmal viel interessanter.

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Ich war gerade dabei, den Mülleimer meines Bruders zu leeren (ich bin der Mülldienst in unserer Familie), als ich sah, wie Cookie und Cream, den Wookie in ihrer Mitte, an dem Geburtstagsgeschenk herumschleckten. Es war eine sehr, sehr gründliche Fellpflege, kein Fleckchen wurde ausgelassen. Irgendwie kam Cookie mit ihrer winzigen Pfote beim Schlecken auf den Bauch des Wookies und schon fing das Gebrüll an. Das Scottish Fold Kätzchen und der Heilige Birma-Kater sahen sich erschrocken an. Hatte ihr neuer Freund da gerade mit ihnen gesprochen? Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis sie eins und eins auf ihre Art zusammenrechneten. Wer sprechen konnte, konnte schließlich auch mit ihnen spielen. Cream - er ist der Stärkere von den beiden - packte den Arm des Wookies mit den Zähnen und zerrte ihn aus dem Bett. In unserem ganzen Haus liegen Spielzeugmäuschen und Bälle herum und Cookie fand schnell eine zum spielen. Ganz liebevoll rollte sie dem auf dem Boden liegenden Wookie den Ball zu. Nichts passierte. Cream versuchte zu hefen, er stupste das pelzige Etwas an, aber auch da keine Reaktion. Immer und immer wieder versuchten die beiden Kätzchen, das neue Familienmitglied in ihr Spiel einzubinden. Bis sie schließlich aufgaben. Aber glaubt nicht, dass der Wookie keine gerechte Strafe für sein unfreundliches Benehmen erhielt. Beim Gehen stieß Cream ihn ein letztes Mal unsanft in die Rippen und Cookie, die kleine Diva, pinkelte den Wookie an.

Der Wookie ist jetzt natürlich frisch gewaschen auf dem Dachboden. Sein Sprachmodul ist aber kaputt. Es hat das Wasser (und Cookies Urin) leider nicht so gut verkraftet. Meinem Bruder habe ich als Entschädigung für das kaputte Geburtstagsgeschenk einen Darth Vader geschenkt. Ich setze seine Überlebenschancen nicht sehr hoch. Wenn er sich nicht benimmt, wird er sicher auch bald die Strafe bekommen, die schon sein Vorgänger hatte erleiden müssen…